In wenigen Tagen beginnt das Wintersemester 21/22. Für die Rückmeldung zum neuen Semester mussten alle Studis ihren Semesterbeitrag überweisen. Mit 437,41€ (bzw. 409,41€ am Standort Ahlem) ist der Semesterbeitrag an unserer Hochschule der höchste in ganz Niedersachsen. Aber wohin geht das Geld überhaupt? In den folgenden Absätzen erklären wir, wie sich der Beitrag zusammensetzt, warum er während der Corona-Pandemie nicht gesenkt wurde und was der AStA tut, um die Kosten möglichst niedrig zu halten.

Grob aufgeteilt wird der Beitrag auf fünf Posten: 138€ für das GVH-Ticket, 87,41€ für das landesweite Semesterticket, 115€ gehen an das Studentenwerk (bzw. 87€ am Standort Ahlem), 22€ an die Studierendenschaft und 75€ sind Verwaltungskosten.

138€ für das GVH-Ticket und 87,41€ für das landesweites Semesterticket

Mit dem Semesterticket kann nicht nur der Personennahverkehr in Hannover genutzt werden, sondern auch die Regionalbahnen in ganz Niedersachsen. Leider kann das Semesterticket den Studierenden weder erlassen noch vergünstigt werden, da die Verträge mit der GVH und mit der Niedersachsentarif GmbH (NITAG) dies nicht zulassen. An ein paar wenigen Hochschulen in Deutschland gibt es die Möglichkeit, sich für oder gegen ein Semesterticket zu entscheiden, allerdings handelt es sich dort um gesetzliche Ausnahmen.

Mit 138€ ist der Anteil des GVH-Tickets am Semesterbeitrag natürlich keinesfalls gering. Allerdings gibt es trotzdem einen großen Preisunterschied zu vergleichbaren Tickets. Das Monatskarten-Abo für Auszubildende kostet zum Beispiel 406,20€ pro Semester (67,70€ monatlich). Wieso ist das Ticket für Studierende nun fast 270€ günstiger? Alle Hochschulen in Hannover beziehen das GVH-Ticket und zahlen denselben Preis. Durch diesen Großabnehmer Effekt erreichen wir diese Vergünstigungen. Außerdem handelt es sich bei dem Geld, das alle Studierenden zahlen, um einen Solidarbeitrag. Das bedeutet, dass der Preis nur so günstig ist, weil alle Studierenden Tickets abnehmen, unabhängig davon, wie sehr sie genutzt werden.

 Für das landesweite Semesterticket sind alle niedersächsischen Hochschulen in der Verkehrs-Landes-ASten-Konferenz organisiert. Die ASten verhandeln dort mit der NITAG und konnten so in der Vergangenheit Preissenkungen erreichen.

Viele Studierende haben ihr Semesterticket während der Lockdowns viel weniger oder beinahe gar nicht genutzt. Leider waren die Verkehrsbetriebe nicht bereit, uns in der Situation entgegenzukommen. Bisher hat die GVH lediglich zugesichert, dass sich der Preis bis 2022 nicht erhöhen wird. Mehr Kulanz können wir aktuell jedoch nicht erwarten. Die Verkehrsbetriebe begründeten es damit, dass alle Studierenden das Mobilitätsangebot theoretisch nutzen konnten. Auch wenn das in der Praxis oft nicht geschehen ist, beruft man sich hier auf Vertragserfüllung.

Die aktuellen Verträge können außerdem auch nicht auf die Corona-Situation angepasst werden. Grundsätzlich wäre eine solche Änderung mit der Zustimmung der Verkehrsunternehmen und der beteiligten Hochschulen möglich. Jedoch würden die ASten dann die Leistungen selbst finanzieren und mehr zahlen.  

115€ Studentenwerksbeitrag

115€ des Semesterbeitrags gehen an das Studentenwerk (StuWerk). Es ist für die soziale Infrastruktur der Studierenden verantwortlich, für die Mensen und Cafeterien und für studentischen Wohnraum. Das StuWerk finanziert sich, zu rund einem Viertel, aus den Semesterbeiträgen der Studierenden. Den Großteil der Einnahmen machen die Erlöse aus den Mensen und Cafeterien aus und rund 20% kommen als Finanzhilfe und als Erstattung für die BaföG-Verwaltung vom Land Niedersachsen. In Hannover ist der Beitrag der Studierenden an das StuWerk der höchste in ganz Deutschland. Das Bündnis „SOS StudiWerk“ (eine Initiative des AStA der Hochschule Hannover) beklagt die fehlende Unterstützung des Landes, durch die Kosten auf die Studierenden umgewälzt werden. 2013 kam die finanzielle Unterstützung noch zur Hälfte vom Land und zur Hälfe von den Beiträgen der Studierenden. Auch beim Bau und der Sanierung von Wohnheimen werden die StuWerke kaum finanziell vom Land unterstützt. Für mehr Informationen zum Bündnis „SOS StudiWerk“ klicke hier.

Da das Studentenwerk in allen Bereichen weiterhin Leistungen erbringt, kann der Beitrag nicht zurückerstattet werden. Manche Bereiche wie die Sozialberatung und die Studienfinanzierung sind sogar stärker gefordert als vor der Pandemie. Seit Beginn der Corona-Krise haben im Vergleich mit dem Vorjahr 50 Prozent mehr Studierende Hilfe bei der Beratung gesucht. Hinzu kommt, dass Fixkosten beim StuWerk weiterlaufen und wichtige Einnahmen in Mensen, Cafeterien und zum Teil in den Wohnheimen ausfallen. Das StuWerk ist also mehr denn je auf die Beiträge der Studierenden angewiesen.

Eine weitere wichtige Leistung des StuWerks ist die Bearbeitung der BAföG-Anträge und die Beratung rund um das Thema Studienfinanzierung. Zusätzlich wurde im letzten Jahr die Ausführung der Überbrückungshilfen für Studierende bundesweit auf die Studentenwerke übertragen. Das StuWerk setzt sich auch auf politischer Ebene dafür ein, dass sich das Land mehr für die sozialen Belange der Studierenden engagiert. Unter anderem mit dem Wohnraumförderprogramm des Landes für Neubauten oder dem aktuellen Sonderprogramm für energetische Sanierungen konnten bereits Teilerfolge erzielt werden.

22€ für die verfasste Studierendenschaft

22€ aus dem Semesterbeitrag gehen an die verfasste Studierendenschaft, also an den AStA, das StuPa, die Fachschaftsräte etc. Der größte Anteil davon (13,51€) sind Personal- und Verwaltungskosten. Für dieses Geld kümmern sich zum Beispiel die AStA-Referent*innen um die Organisation von Veranstaltungen, bieten Beratungen in unterschiedlichen Bereichen an oder übernehmen die politische Vertretung der Studierenden gegenüber der Hochschule und der Poltik.

Die Studierendenschaft bezieht außerdem 2,61€ für den Geschäftsbedarf. Dieser Anteil ist zum aktuellen Wintersemester deutlich kleiner geworden, da ein Großteil der Kosten im neuen Studierendenzentrum am Campus Linden entstanden ist und dieses nun fertiggestellt ist.

Für Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, die Ersti-Begrüßung sowie Projekt- und Initiativförderung werden aktuell 7,03€ verwendet. Die Projekt- und Initiativförderung sind hierbei fest in der Finanzordnung vorgeschrieben.

Aktuell entstehen Kosten von 2,73€ durch Mitgliedschaften und Kooperationen wie der Theaterflat, der Fahrradwerkstatt oder dem Hochschulsport. Auf Grund der aktuellen Lage ruht der Vertrag für die Theaterflat. Die Beiträge an das Staatstheater werden also ausgesetzt, bis das Angebot wieder genutzt werden kann.

15% der 22€ gehen an die Fachschaftsräte (aktuell ca. 3,53€), welche das Geld für Ihre Arbeit, zum Beispiel Veranstaltungen, verwenden können. 15,47€ des Semesterbeitrags sind für Rücklagen bestimmt, damit die Studierendenschaft auch bei unerwarteten Ausgaben liquide bleibt. Allerdings wird dieser Posten in Zukunft gekürzt, da die Rücklagen mittlerweile die gesetzliche Höhe erreicht haben.

Fasst man all diese Ausgaben der Studierendenschaft zusammen, kommt man auf einen Betrag, der die 22€ aus dem Semesterbeitrag weit übersteigt. Die 22€ sind lediglich Fixkosten, die unter anderem ermöglichen, dass Angebote der Studierendenschaft kostenlos oder zu sehr geringen Preisen bestehen. Die Studierendenschaft arbeitet außerdem nicht gewinnorientiert. Eventuell entstehende Einnahmen decken also nur die Ausgaben oder versuchen zumindest diese teilweise aufzuwiegen. Abgesehen von den Fixkosten finanziert sich die Studierendenschaft unter anderem zusätzlich durch Überschüsse aus dem Vorjahr und Veranstaltungseinnahmen.

75€ Verwaltungskosten

Die Verwaltungskosten sind im Niedersächsischen Hochschulgesetz festgehalten und gelten einheitlich für alle Hochschulen in Niedersachsen. Der Beitrag wird für die Leistungen der Hochschuleinrichtungen zur Verwaltung und Betreuung der Studierenden erhoben. Diese Einrichtungen kümmern sich zum Beispiel um die Immatrikulation, Prüfungen, Praktika, Studienberatung und akademische Auslandsangelegenheiten.

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